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Gel(i)ebte Tradition

Von Angelina Rabener

Am 11. 11. wird nicht nur die Fasnacht eingeläutet. In vielen Gemeinden ist es langjährige Tradition, dass Kinder in dieser Zeit mit Laternen oder Räbeliechtli losziehen und Lieder singen. Dabei ist der Ursprung, ob Laterne oder Räbelichtli, nicht der gleiche. Und dann gibt es da noch den Räbelichtli- Tauchgang.

Region Das Familienzentrum in Weinfelden organisiert am 8. November einen Laternli-Umzug und auch in fast allen Kindergärten und Primarschulen finden Räbenlichterumzüge statt. Die Kinder ziehen mit ihren selbst gebastelten Laternen durch die Strassen und singen «Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir...». Wenn sie aber ihre schöngeschnitzte Räben tragen, die meist von den Vätern verziert wurden, hört man die Kinderstimmen das Lied «Räbelichtli, wo gasch hi?» singen. In manchen Gemeinden vermischt sich gar die Tradition und die Kinder tragen Laternen oder Räbelichtli. Nach dem Umzug wird Kindern, Eltern und Grosseltern meist eine wärmende Stärkung offeriert. Die Kinderaugen leuchten mit den Lichtern um die Wette, wir schwelgen in Erinnerungen und es wird uns warm ums Herz.

Räbe als Grundnahrungsmittel

Aber wer weiss schon um den Ursprung der Umzüge? Die Tradition des Räbelichtliumzugs ist schwer zurückzuverfolgen. Sie reicht offenbar in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. So ist in der Gemeinde Richterswil überliefert, dass die ersten Umzüge rund um 1860 stattgefunden hätten. Vorher seien die Räbenlichter von einzelnen Personen verwendet worden, um im Dunkeln den Weg in den Abendgottesdienst zu finden. Ab den 1920er-Jahren wurden in ländlichen Gebieten Lichterumzüge beobachtet, die mit dem Ende der Erntezeit zusammenhingen. Die Räbe war damals eine der zuletzt geernteten Feldfrüchte und galt als Grundnahrungsmittel. Sie nahm damals die gleiche Stellung in der Grundernährung ein, wie die heutige Kartoffel. Die Tradition reicht in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Christlicher Hintergrund

Die Tradition der St.Martinsumzügen, die meist von den Kirchen organisiert werden, handelt von Martin von Tours der im Jahr 316 als Sohn eines Militärtribuns geboren wurde und im Alter von 36 Jahren nach seinem Armeedienst als Mönch durch Europa zog, wo er zahlreiche Klöster und Pfarreien errichtete und durch seine asketische Lebensweise viele Anhänger gewann. Die christliche St. Martin-Geschichte erzählt davon, dass Martin von Tours als römischer Soldat in einer kalten Nacht auf einen frierenden Bettler traf. Aus Mitleid schnitt der Soldat seinen Umhang in zwei Hälften und gab dem Bettler, der sich ihm in der folgenden Nacht im Traum als Jesus Christus zu erkennen gab, eine davon. Diese Geschichte wird bis heute bei den St.-Martins-Umzügen aufgeführt. Erleben kann man das am 9. November in Kreuzlingen. Um 16.50 Uhr findet ein gemeinsamer Laternenumzug vom Stefanshaus zur Stefanskirche statt. Um 17.30 Uhr wartet vor der Kirche Sankt Martin auf dem Pferd.

Ein ganz spezieller Räbelichtli-Umzug oder besser gesagt ein Räbelichtli- Tauchgang, findet in Steckborn vor dem Schulhaus statt. Taucherinnen und Taucher steigen dann in die Tiefen des Bodensees ab und beleuchten mit ihren geschnitzten Räben. Das Schauspiel kann am 13. November ab 19 Uhr vom Ufer aus beobachten werden.


Weinfelder Nachrichten vom Donnerstag, 7. November 2019, Seite 6