E-Paper - 22. Mai 2020
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Immer mehr Bedürftige melden sich bei der Tiertafel

In der Corona-Krise haben viele Menschen wirtschaftlichen Schaden erlitten und ihre Jobs verloren. Das spürt auch die Tiertafel Kreuzlingen, die jetzt noch mehr Anfragen von Bedürftigen hat. Interview mit Monika Müller, Präsidentin der Tiertafel Kreuzlingen.

Frau Müller, was bedeutet der Shutdown für die Tiertafel?

Für mich war klar, dass gerade in dieser Krisenzeit die Tiertafel geöffnet bleiben muss. Aber wir konnten nur begrenzt freiwillige Helferinnen und Helfer einsetzen, um unser Team und natürlich auch die Berechtigten zu schützen. Auf die Annahme und Ausgabe von Sachgütern mussten wir verzichten, wir haben nur Futter draussen auf dem Gelände ausgegeben. Wichtige freiwillige Helfer aus Konstanz durften nicht einreisen und wir die deutschen Berechtigten nicht mitversorgen, was ja gerade in Krisenzeiten vonnöten ist. Das haben wir sehr bedauert.

Gibt es jetzt viel mehr Anfragen von Bedürftigen?

Eindeutig ja. Durch den Shutdown sind viele Menschen, die vorher knapp an der Grenze der Armut lebten, jetzt berechtigt, Ergänzungsleistungen zu beziehen. Wir rechnen mit einem deutlichen Anstieg der zu betreuenden Tiere, momentan sind es 150, wir rechnen in den nächsten drei Monaten mit doppelt so vielen.

Ist die Tiertafel denn überhaupt gerüstet für diesen Ansturm?

Wir geben natürlich alles. Dennoch bedarf es unbedingt einer Aufstockung freiwilliger Helferinnen und Helfer, denn die Arbeit hinter den Kulissen wird mehr werden: Mehr Verwaltungsaufwand, mehr Futter und Materialen im Lager auffüllen, mehr Menschen an den Ausgabetagen, die bedient werden müssen. Wir brauchen vor allem auch kräftige Menschen, die bereit sind, körperlich zu arbeiten, denn Paletten mit Futtersäcken zu verräumen, braucht Kraft.

Und wie sieht es aus mit euren Futtervorräten?

Mit Hunde-Trockenfutter sind wir super aufgestellt vor allem auch durch spendable Firmen, die uns immer mal wieder unterstützen, wie z. B. Hills, Royal Canin und andere Tierfutterhersteller. Nassfutter für Hunde und das gesamte Katzenfutter, sowohl trocken als auch nass, ist hingegen sehr rar. Da leben wir von der Hand in den Mund, und wir betteln uns von Monat zu Monat durch ein schwieriges Thema.

Bedeutet das auch, dass zurzeit weniger gespendet wird?

Ja, leider. In Krisenzeiten wird eher wenig gespendet. Doch spannend ist, dass wir weiterhin Spenden von Menschen bekommen, die selber eher wenig haben. Geschäftsleute halten sich sehr zurück, dabei wäre es wirklich toll, wir würden auch von dieser Seite mehr Unterstützung erhalten. Wir haben einen Geschäftsmann, der uns jährlich eine größere Summe zukommen lässt. Von solchen grosszügigen Unternehmen bräuchten wir mehr, um z. B. Nassfutter in ausreichender Menge nachkaufen zu können oder andere wichtige Tiertafel-Projekte zu finanzieren.

Finden eure Ausgaben und Annahmen noch statt wie bisher? Was hat sich verändert?

Mit der Schliessung der Grenze haben wir unseren monatlichen Ausgabetag zeitlich auf vormittags begrenzt, da die deutschen Berechtigten ja nicht mehr kommen konnten. Auch fanden keine tierärztlichen Untersuchungen statt.

Mit den Lockerungen geht es wieder in Richtung Normalität?

Davon gehen wir schwer aus! Wir hoffen, dass die Konstanzer im Juni wiederkommen dürfen. Die tierärztlichen Untersuchungen werden wieder planmässig stattfinden, und unsere Referentinnen haben unseren Ausweichterminen zugestimmt, so dass wir die Workshops nachholen können. Natürlich alles unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln.

Was sind die nächsten Termine?

Unser Ausgabetag findet am 5. Juni zu den normalen Zeiten statt. Frau Dr. Goldinger, die die tierärztliche Untersuchung am 6. Juni durchführt, hat sich bereit erklärt, etwas länger als normal zu arbeiten, da sich viele Fälle aufgestaut haben. Und wir freuen uns auf unseren Flexiness-Workshop am 17. Juni mit Michaela Vögeli, Hundetrainerin aus Winterthur. Nachlesen kann man das auf unserer Homepage www.tiertafel-kreuzlingen.ch unter «Aktuelles».

Wie kann man die Tiertafel in dieser Zeit am besten unterstützt?

Wie gesagt, wir freuen uns über mehr freiwillige Helferinnen und Helfer, die auch bereit sind, mal kräftig mit anzupacken. Wir wünschen uns, dass z. B. Online-Shops sich bereit erklären, beim Versand ihrer Ware unsere Infobroschüren beizulegen oder über Geschäfte, die unsere neuen Gutscheine verkaufen oder mal ein Spendenrondell bei sich aufstellen würden. Geldspenden sind natürlich immer sehr willkommen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten etwas zu tun, jeder kann vom Prinzip mitwirken und ist herzlich willkommen in unserem Team. red

Frauenfelder Nachrichten vom Freitag, 22. Mai 2020, Seite 22 (137 Views)

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