E-Paper - 05. Dezember 2019
Kreuzlinger Nachrichten
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Umgang mit sozialen Medien nicht mehr im Griff

Von Werner Lenzin

An der Delegiertenversammlung von Bildung Thurgau wies Präsidentin Anne Varenne darauf hin, dass Bildung viel mehr bedeutet als nur Wissen.

Weinfelden «Um die Herausforderungen der unmittelbaren und der mittelfristigen Zukunft zu meistern, muss Bildung meines Erachtens vor allem die Menschenbildung beinhalten», begrüsste Präsidentin Anne Varenne die 86 Delegierten von Bildung Thurgau im Weinfelder Rathaussaal. Sie fordert als Bildungsziele Lebenskompetenzen wie Frustrationstoleranz, Kommunikation, Problemlösefähigkeiten, Autonomie und Klimaschutz. «Diese wichtigen Kompetenzen stärken und befähigen unsere Schüler für die Bewältigung unserer Zukunft», sagt die Präsidentin.

Schule im Dilemma

Und wie denkt sie über die Digitalisierung in der Schule? Sie bezeichnet diese nur dann als Fortschritt, wenn dabei Persönlichkeiten gebildet werden. Die Präsidentin warnt: «Das Suchtpotenzial im Bereich der Digitalisierung ist hoch, Kinder sind besonders gefährdet und der Prozentsatz von Jugendlichen, welche den Umgang mit den sozialen Medien nicht mehr im Griff haben, steigt stetig». Dies bringe die Schule in ein Dilemma, habe sie doch die Aufgabe auf das Leben vorzubereiten und dazu gehörten die digitalen Kompetenzen. Gleichzeitig müssten die Jugendlichen in ihrer Freizeit vor dem hohen Suchtpotenzial der sozialen Medien geschützt werden. Laut Varenne gehen Szenarien davon aus, dass ein grosser Teil der Menschheit zukünftig keine feste Anstellung mehr hat und Kinder lernen müssten, psychisch mit der temporären Arbeitslosigkeit umgehen zu können. «Die Schule kann sich diesen Spagat nur leisten, indem sie weniger schulisches Wissen vermittelt und die Kinder und Jugendlichen zu Persönlichkeiten bildet», davon ist sie überzeugt. Für sie benötigt Menschenbildung keine Noten, sondern Wertschätzung und Interesse am Gegenüber und an der Umwelt. «Gemeinsam mit den Eltern muss die Schule die Kinder nicht nur das Tablet erfahren lassen, sondern das Leben mit all seiner Beweglichkeit und Spannung im Rahmen von Wärme und Geborgenheit einer intakten Umwelt», fordert Varenne und bezeichnet die Elternbildung als Schlüssel zur neuen Schule.

Lehrermangel: Was tun?

Im Anschluss an einen auf die Leinwand projizierten WhatsApp-Chat zwischen Regierungsrätin Monika Knill und Amtsleiter Beat Brüllmann, nahm die neue Zentralpräsidentin Dagmar Rösler Stellung zu aktuellen Fragen im Bereich der Schulpolitik. Obwohl der Lehrermangel im Thurgau noch nicht so ausgeprägt ist, gibt es für sie diesbezüglich wichtige Forderungen: «Es gilt die Ausbildung der Primarlehrpersonen und deren Image aufzuwerten, ihr Renommee muss von Seiten der Gesellschaft, von Politik und Eltern verbessert werden und junge Berufseinsteiger gilt es, optimal zu begleiten». Abschliessend diskutierten die Delegierten Fragen und Probleme rund um den neuen Lehrplan. Einstimmig wurde das von Hermann Studer vorgelegte Budget 2020 verabschiedet.

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 5. Dezember 2019, Seite 30 (20 Views)

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