E-Paper - 05. Dezember 2019
Kreuzlinger Nachrichten
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KOMMENTAR

Alle Jahre wieder bläst das Laubmonster

Weil sie Insekten töten, fordert die deutsche Regierung dazu auf, keine Laubbläser mehr zu benutzen. Sie schliesst sich damit entsprechenden Empfehlungen des Bundesamts für Naturschutz an und verweist auf die zahlreichen Würmer, Insekten, Spinnen oder auch Kleinsäuger, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum verlieren. Dies könne auch Folgen für Vögel haben, die im Laub nach Nahrung suchen. Zwar würden Laubbläser meist auf Gehwegen eingesetzt, auf Wiesen könnten sie jedoch Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben, heisst es weiter.

Bei den meisten Wohnüberbauungen und auf öffentlichen Plätzen werden auch in unseren Gemeinden Laubbläser benutzt. Abgesehen davon, dass die Laubmonster mit einem Schallpegel von mehr als 115 dB zu laut sind, erzeugen Geräte mit Verbrennungsmotor zudem Luftschadstoffe, die meist ungefiltert in die Umgebung geblasen werden. Zudem gibt es auch gesundheitliche Bedenken. Am Boden und im Laub lebende Mikroben, Pilze und Tierkot werden mit einer Luftgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern in der Luft verteilt, was vor allem für die Benutzer eine Gefahr ist.

Unverständlich ist, dass manche «Laubbläser-Cowboys» das Laub von den Rasenkanten wegblasen, es aber nicht einsammeln in der Hoffnung, dass die herumgewirbelten Blätter sich andernorts niederlassen und vom Wind ja nicht wieder zurückgepustet werden. Der zu säubernde Platz ist vom störenden Laub befreit. Das war das Ziel!

Der Umweltbeauftragte der Stadt Kreuzlingen, Stefan Braun, bestätigt, dass Laubbläser «alle Jahre wieder» ein Thema in der Bevölkerung sind. «Wir haben darauf reagiert, indem wir dort, wo es möglich ist, elektrische Laubbläser einsetzen, die nur noch ganz wenig Lärm machen.» Verständlich sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen des zuständigen Kreuzlinger Stadtrats, Ernst Zülle. Er erklärt, warum Laubsammeln aus verschiedenen Gründen notwendig ist: «Im öffentlichen Raum ist die Stadt haftbar, wenn durch rutschigen Untergrund Unfälle passieren. Gekieste Wege werden durch Laub «matschig». Bleibt Laub länger liegen, wachsen rasch Pflanzen durch. Ihre Wurzeln zerstören allmählich den Kieskoffer der Wege. Laub verstopft die Entwässerungsrinnen und Schächte. Regenwasser, das nicht in die Entwässerungssysteme gelangt, fliesst oberflächlich ab und kann dabei Erosionen und andere Schäden anrichten. Intensiv gepflegte Rasenflächen ersticken, wenn Laub über längere Zeit darauf liegenbleibt. Diese Flächen müssten im Frühling neu vorbereitet und angesät werden.» Ausserdem bestünde ein hohes öffentliches Interesse an «sauberen» Strassen und Wegen, ergänzt er. «Unser Personal bekommt es jeweils schnell zu hören, wenn die Strassen und Wege nicht regelmässig vom Laub gesäubert werden», setzt er nach. Das Laub nach guter alter Manier aufzurechen sei dabei keine Option. «Wir benötigten dreimal mehr Zeit bzw. Personal, wenn wir alles Laub mit Rechen zusammennehmen müssten.» Schön die Tatsache, dass das Laub in manchen Gemeinden auf einen Haufen geblasen wird und so als Unterschlupf für Igel und als Nahrungsquelle dient.

So manche Hausbesitzer könnten sich diese Vorgehensweise ebenfalls aneignen. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Gärten das Zuhause vieler Kleinstlebewesen und vieler Tiere sind.

Ausserdem braucht doch kein Mensch «englisch geschniegelte Rasen». Oder was meinen Sie?

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 5. Dezember 2019, Seite 30 (17 Views)

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