E-Paper - 05. Dezember 2019
Kreuzlinger Nachrichten
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Als für einige Sekunden lang mein Leben als verloren galt

Am Montagabend, den 18. November hatte ich mit meinem Leben für ein paar Sekunden abgeschlossen. Für einige Tage spielte mir mein Gehirn die Bilder in Dauerschleife immer und immer wieder vor. Von Ellikon an der Thur herkommend nehme ich, wie seit einiger Zeit wegen einer Baustelle, die sich nach Strass befindet, die Umfahrung runter an die Schaffhauserstrasse. Um ca. 17.45 Uhr hielt ich an der Kreuzung und wollte nach rechts in Richtung Frauenfeld abbiegen. Von Frauenfeld her ging es hinter einem Traktor mit zwei Anhängern eher gemächlich vorwärts. Links war weit und breit nichts zu sehen, worauf ich meine Fahrt fortsetzte und beschleunigte. Dann plötzlich passiert es. Ich frage mich, weshalb mir Scheinwerfer auf meiner Seite der Strasse entgegenrasen würden! Erst konnte ich es überhaupt nicht einordnen. Ein entgegenkommendes Fahrzeug setzt zum Überholen an. Es fährt immer schneller und ich denke, der bremst nicht! Warum bremst der nicht! Es kommt mir vor wie in Zeitlupe, aber da war keine Zeit mehr. Aus Reflex trete ich die Bremse durch und reisse das Steuerrad zum Strassenrand herum. Das reicht nicht. Nochmals, das reicht nicht. Ich bin ganz ruhig. Ich denke an meine Mutter und meinen Bruder. Ich werde weder sie noch meine Freunde je wiedersehen, was mich traurig stimmt. Ich sitze im stehenden Auto und denke das war's. Jetzt geht es zu Ende und warte auf den grossen Knall. Mich mit der Situation abfindend sage ich mir, hinschauen möchte ich dennoch nicht und wende meinen Blick ab zum Traktor. Dieser hatte bereits meine Höhe erreicht. Der Traktorfahrer zieht trotz Ladung geistesgegenwärtig eine Vollbremsung. Seine Wagen krachen ineinander. Es ist laut und unheimlich und ich fürchte mich etwas. Ich sehe, wie es ihn von der Wucht von hinten in seiner Kabine herumwirft und der Traktor anfängt zu holpern. Er reisst am Steuerrad und schafft es noch etwas in den Wiesenstreifen heraus. Dann, wie ein Blitz schiesst das herannahende Auto zwischen Traktor und mir vorbei. Mein Auto wippt vom Windstoss leicht hin und her. Noch immer sitze ich im stehenden Fahrzeug und kann mein Glück kaum fassen. Kein Knall. Ich lebe noch! Ich atme tief durch. Ich habe keine Ahnung wie der da durchgepasst hat. Einige Sekunden vergehen. Im Schockzustand lege ich den ersten Gang ein und fahre los als wäre nichts passiert. Immerzu denke ich, das war scheiss-knapp. So knapp war es noch nie.

Zuhause angekommen sagte ich als erstes meiner Mutter, meinem Vater und meinem Bruder, dass es schön ist, dass es sie gebe und ich unendlich glücklich sei, sie zu sehen. Danach rief ich meine engsten Freunde an und bedankte mich, dass ich ein Teil Ihres Lebens sein dürfe und sie immer für mich da seien. Dieses Ereignis hat meine Sicht auf das Leben verändert! Das Leben, welches nur allzu zerbrechlich ist und damit auch all die Menschen und Dinge, die ich liebe.

An dieser Stelle danke ich von ganzem Herzen dem Traktorfahrer für seine Aufmerksamkeit und seiner ausserordentlichen Reaktion! Sie haben mein Leben gerettet! Ich hoffe ganz fest, dass Sie sich nicht verletzt haben und auch sonst keinen Schaden entstanden ist. Es tut mir sehr leid, dass ich weggefahren bin. Ich weiss, nicht warum ich das gemacht habe. Bitte melden Sie sich bei der Zeitung! Ich wünschte, ich könnte Ihnen die Hand geben und Ihnen persönlich danke sagen. Dies ist keine Geschichte, sondern die alltägliche Realität! Ich bin sicher, viele von euch haben schon ähnliche Situationen erlebt. Bitte behandelt das Leben mit Respekt. Fahrt vorsichtig und mit Übersicht, vor allem jetzt in dieser Jahreszeit, wo es neblig und dunkel und die Sicht schlecht ist.

Christine Schreiber, Frauenfeld

«Verkommen zur Prüderie»

Liebe Frau Schäpper, am Donnerstag, 21. November schrieben Sie sich in den Weinfelder Nachrichten unter der Rubrik «Was ich noch zu sagen hätte»; «Geschmacksache ja, aber das ist geschmacklos». Darin lassen sie sich aus über ein Werbe-Plakat aus, das sie in Kreuzlingen am Bahnhof gesehen haben. Es zeigt ein Foto einer Mutter mit ihrem Kind. Ich frage mich wirklich, was sie darauf abgebildet sehen. Wohinaus geht ihre Interpretation oder ist es womöglich eher eine Projektion? Wenn die Menschen nicht mehr unterscheiden können, was anzüglich ist und was nicht, dann entstehen Gespenster wo keine sind. Wenn eine liebevolle Umarmung auf jeden Fall als sexistisch oder als übergriffig beurteilt wird, dann verarmen wir, weil sich niemand mehr getraut, zu berühren. Wenn jeder Zentimeter Haut, als eine zu verurteilende Darstellung des Bösen abgeurteilt wird, dann verkommen wir zur Prüderie, deren Folgen die Menschheitsgeschichte schon mehrmals durchlaufen hat. Deshalb, liebe Frau Schäpper, entspannen sie sich und lockern sie ihr geistiges Korsett. Schauen sie weiter genau hin, aber bewahren sie ein Grundvertrauen und einen klaren Blick. Ursi Häfner-Neubauer,

Weinfelden

Das Mädchen ohne Oberkleid

Sehr geehrte Frau Schäpper. Sie finden das übergrosse Plakat am Bahnhof Kreuzlingen geschmacklos, da es eine Mutter mit einem Mädchen ohne Oberbekleidung zeigt. Zuerst dachte ich, die Redakteurin sieht das etwas gar auch eng. Nach weiterem Nachdenken, muss ich ihr jedoch Recht geben. Ein halbnacktes, zur Schau gestelltes Kleinkind im Arm einer besorgten Mutter, und das im November, das geht zu weit! Das arme Mädchen holt sich eine Lungenentzündung, mindestens. Gerade in Kreuzlingen, wo es doch vom Schwäbischen her immer so arg zieht. Das kann doch nicht die Absicht des Krankenversicherers sein, der für das Plakat verantwortlich ist. Erst kürzlich wurde wieder auf die Kinderrechte hingewiesen. Jedes Kind hat das Recht auf eine Bekleidung, die der Jahreszeit entspricht. Kinder, insbesondere Kleinkinder, sollten nicht für Werbezwecke missbraucht werden, sei dies für unnötige Küchenmaschinen zwecks Veredelung von Hahnenwasser oder für Kinderschokolade, die dick und süchtig macht. Zum Schluss noch dies, bezüglich Werbung von Personen «oben ohne.» Ein Aufschrei ginge wohl durch die weibliche Schweiz, würde Roger Federer plötzlich ohne T-Shirt TV-Werbung machen.Urs Schenker, Hüttwilen

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 5. Dezember 2019, Seite 22 (20 Views)

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