E-Paper - 28. November 2019
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Die ewig stummen Hähne

Noch bis Ende Jahr dürften in der Schweiz männliche Küken lebendig geschreddert werden. Künftig ist nur noch das Vergasen erlaubt. Die Hähne grosszuziehen lohnt sich nicht, deshalb sind sie auch als Poulet nicht beliebt. Vielleicht gibt es aber bald eine Variante, das Leben der Hähne zu schützen, indem man es verhindert.

Region Das Problem vor seiner Entstehung angehen. Eine Methode, die nun auch die Eierindustrie verfolgt. Das Problem in diesem Fall sind die männlichen Küken von Hühnerrassen, die für die Eierproduktion gezüchtet werden. Diese sind zur Mast und Pouletproduktion nicht geeignet. Die beiden Rassen (Lege- und Poulethühner) sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie verhalten sich im Rahmen eines Mastzyklus auch unterschiedlich und können nicht zusammen gemästet werden. Zudem brauchen Tiere, welche aus der Eierproduktion stammen, deutlich mehr Futter. Der höhere Futterbedarf bedarf deutlich mehr landwirtschaftlicher Fläche zum Anbau dieses Futters und hohe Transportressourcen. Des Weiteren würde die konsequente Ausmast von männlichen Legetieren auch massiv mehr Mastbetriebe bedingen, was wiederum einen hohen Flächenbedarf in der Schweiz nach sich ziehen würde. Daher klingt es zwar toll, die männlichen Küken der Legerassen als Poulet zu verwerten, ist aber weder ökologisch noch ökonomisch nachhaltig zielführend. Für die Lüchinger+Schmid AG, die Hauptlieferantin von Eiern der Migros, liegt der nachhaltigste Lösungsansatz darin, zu verhindern, dass überhaupt männliche Küken schlüpfen. «In-Ovo-Sexing» sollte mittelfristig in der Lage sein, dieses Ziel zu erreichen. Aktuell befindet sich diese Methode in einer Forschungs- und Testphase und ist noch nicht marktreif. Allerdings haben sowohl die Forschung als auch die Entwicklung im Bereich des «In-Ovo-Sexing» in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht.

Tierschutz unterstützt das «In-Ovo-Sexing»

Die Tötung von männlichen Küken zu verhindern, wäre auch im Sinne des Schweizer Tierschutzes. Denn laut Präsident Heinz Lienhard seien die Küken beim Vergasen nicht sofort tot (wie es eigentlich vom Tierschutzgesetz vorgeschrieben ist), sondern der Todeskampf bis zum Ersticken dauert mehrere Sekunden. Ausserdem sei die Tötung nicht zu 100 Prozent sichergestellt und es bestehe die Gefahr, dass einzelne Küken die Vergasung überleben. Deshalb sei die Methode der Zukunft auch für den Tierschutz einzig die Geschlechterbestimmung im befruchteten Ei. Sobald die Methode praxisreif sei, gehe es für den Gesetzgeber und den Tierschutz darum, die Nutztierbranche zu veranlassen, für die Tötung der Küken von der Vergasung auf die moderne Methode der Geschlechterbestimmung im Ei umzustellen. «Das wird allerdings noch ein steiniger Weg sein», so Lienhard. tas

Weinfelder Nachrichten vom Donnerstag, 28. November 2019, Seite 5 (4 Views)

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