E-Paper - 28. November 2019
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«Es werden schon lange keine Küken mehr geschreddert»

Von Tamara Schäpper

Ab Januar wird das Schreddern von Küken schweizweit verboten. Das Vergasen der männlichen Tiere bleibt erlaubt. Das ist brutal, bis heute aber die am wenigsten schlechte Lösung, meinen Experten. Mitverantwortlich für die Situation seien die Konsumenten.

Region Bei ihrem Anblick geht jedem das Herz auf. In der Eierindustrie aber werden die süssen Küken getötet. Zumindest einige von ihnen. Weil sie im Erwachsenenalter keine Eier legen werden, werden die männlichen Küken im Alter von einem Tag vergast. Bis vor einigen Jahren wurden die Tiere geschreddert. Dies wird ab dem neuen Jahr schweizweit verboten sein. Mit dem Überschuss an männlichen Küken muss dennoch umgegangen werden. Denn eine Möglichkeit, die Tiere am Leben zu lassen gäbe es, dazu müsste der Konsument aber bereit sein, doppelt so viel für sein Geflügelfleisch zu bezahlen. «Und so weit sind wir leider noch lange nicht», meint Daniel Würgler, Präsident vom Produzentenverband GalloSuisse.

Zwei Rassen, zwei Produkte

In der Schweiz werden, abgesehen von privaten Hobbyzuchten, zwei Hühnerrassen gezüchtet. Eine für die Produktion von Eiern, eine für die Fleischproduktion. Gemästet werden sowohl Hühner als auch Hähne. Mit dem Dilemma, wie es Würgler bezeichnet, haben die Eierproduzenten zu kämpfen. Denn die Technologie, dass bereits am Ei erkennt wird, ob ein männliches Küken schlüpfen wird, sei noch nicht marktreif. Die männlichen Küken als Bruderhähne zu mästen wäre möglich, setzen aber als Legerasse weniger Fleisch an und die Aufzucht wäre ökologisch und ökonomisch nicht marktfähig. Deshalb würde das Fleisch teurer werden. «Und solange der Konsument nicht bereit ist, fast doppelt so viel für das Fleisch zu bezahlen, funktioniert diese Aufzucht wirtschaftlich nicht», so Würgler.

Vom Ei zur Eierproduzentin

Deshalb gibt es in der Schweizer Eierindustrie Elterntierställe, in denen Hennen und Hähne leben, die befruchtete Eier produzieren. Diese werden dann in einer von total vier Brütereien in der Schweiz ausgebrütet, von wo aus die weiblichen Küken für 4,5 Monate in einen Aufzuchtstall kommen, bi sie legereif sind und die männlichen Küken aussortiert und getötet werden. Die ausgewachsenen Hennen werden von der Aufzucht dann in einen Legestall verlegt, wo sie Konsumeier produzieren werden.

Eine Frage des Preises

Von den heute mit CO2 vergasten männlichen Küken werden gut die Hälfte als Raubtier- oder Reptilienfutter verwertet. Die andere Hälfte wird entsorgt. «Ethisch ist das sicher nicht schön. Aber dieses Verfahren ist die am wenigsten schlechte Variante», sagt Würgler. Dass es auch ohne die Tötung der männlichen Küken geht, beweist der Demeter-Verband. Seit Anfang 2019 werden auf Demeter-Betrieben alle männlichen Küken grossgezogen, gemästet und als Bruderhahn-Poulets verkauft. Für jedes eierlegende Huhn wächst also ein Hahn auf. Eine weitere Variante, die Vergasung zu umgehen, ist das Zweinutzungshuhn. Eine gekreuzte Rasse, die sich sowohl für die Eier- als auch für die Pouletproduktion anbietet. Im Preis unterscheiden sich die Produkte dieser Aufzuchten aber von den gängigen.

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Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 28. November 2019, Seite 3 (3 Views)

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