E-Paper - 07. November 2019
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Exotische Tiere im Schlussverkauf? Nicht für die Veranstalter der Börse

Von Tamara Schäpper

Als Ausverkauf der Natur und Verramschung von Exoten bezeichnet die Tierschutzorganisation PETA die Terraristikbörse in Frauenfeld. Die Veranstalter finden in den Anschuldigungen keinerlei seriöse Basis und sehen keinen Grund, die Börse nicht mehr durchzuführen.

Frauenfeld Auf Reptilienbörsen finde der Ausverkauf der Natur statt. Sensible Exoten werden wie billiger Trödel verramscht, schreibt die Tierschutzorganisation PETA in einer Mitteilung. Sie fordern, dass die Veranstaltung umgehend verboten wird. Weiter schreibt PETA, es handle sich bei vielen der angebotenen Tieren um Wildfänge. Markus Ruf, Präsident der Terrarienfreunde Ostschweiz und Veranstalter der Börse meint dazu: «Wenn überhaupt, werden vereinzelte Wildfänge angeboten. Von drei Händlern bieten zwei ausschliesslich Nachzuchten an, der Dritte überwiegend auch. Die restlichen Anbieter sind private Züchter, die ihre Nachzuchten anbieten. Es ist daher lächerlich von einem Ausverkauf der ‘Natur’ zu sprechen, da Nachzuchten nun einmal nicht aus der Natur stammen. Ausserdem müssen gemäss Börsenreglement Wildfänge deutlich als solche gekennzeichnet sein, so dass der Käufer selber entscheidet, ob er dies unterstützen will. Gemäss Gesetz sind Import und Verkauf unter Einhaltung der Vorschriften in der Schweiz nach wie vor legal. Es liegt nicht an uns als Veranstalter, dies zu verbieten.»

Tiere in Plastikboxen

PETA meint ausserdem, dass die Art der Präsentation an der Börse nicht tiergerecht ist. Die Tiere würden häufig in winzige Plastikboxen ohne Rückzugsmöglichkeiten gesperrt und seien erheblichem Stress ausgesetzt. Die Tiere an der Terraristikbörse Frauenfeld werden in Plastikboxen oder Terrarien präsentiert. Häufiger aber in Plastikboxen, erklärt Ruf, was für die Tiere weniger Stress bedeute. Sie werden vom Züchter zu Hause in diese Box umgesetzt und verbleiben darin, bis sie beim neuen Besitzer ins Terrarium kommen. Werden die Tiere schon in einem solchen präsentiert, müssen sie laut Ruf aus Sicherheitsgründen für den Transport trotzdem in eine Box umgesetzt werden, dann an der Börse wieder ins Terrarium und für Transport zum neuen Besitzer dann wieder in eine Box bevor sie endlich in ihr neues Heimterrarium können.

Regeln zur Präsentation und Käufer über 16 Jahre

Bezüglich Präsentation gelten bei der Terraristikbörse europäisch standardisierte Regeln. Für Schlangen halbe Gesamtlänge, Amphibien und Echsen 1.5-fache Körperlänge, Schildkröten doppelte Panzerlänge. Behältnisse dürfen nur von einer Seite oder oben einsehbar sein, damit die Tiere Rückendeckung haben. Ein geeignetes Substrat muss vorhanden sein, bei Tieren aus Feuchtgebieten muss dieses auch feucht gehalten werden. Tiere sind in Boxen einzeln unterzubringen, damit sie sich nicht gegenseitig stressen. Verkauft wurden die Tiere am vergangenen Wochenende in der Festhalle Rüegerholz an interessierte Halter über 16 Jahre. Ob die Käufer nach Erfahrung gefragt werden, kann Ruf nicht abschliessend beantworten. Nach seiner Erfahrung sei die Beratung an Börsen aber besser, als bei einem Kauf im Internet. «Den Züchtern liegen die Tiere am Herzen. Sie können den Käufern mit Rat und Tat zur Seite stehen», so Ruf.

Artgerechte Haltung?

Für PETA ist klar, dass eine artgerechte Haltung der Tiere in Gefangenschaft nicht möglich ist. Ruf widerspricht: «Jene Arten, die in unseren Terrarien zu finden sind, können artgerecht gehalten werden. Es gibt unzählige Exemplare, die weit über die bekannte Lebenserwartung hinaus kamen. Ausserdem stammen fast alle Tiere in unseren Terrarien schon seit zig Generationen aus Nachzuchten, was ja per se eine erfolgreiche Haltung der Elterntiere voraussetzt.» PETA verlangt eine sofortige Verbietung der Börse, wie auch ein Haltungsverbot exotischer Wildtiere für Privatpersonen. Dieser Forderung wird Ruf nicht nachkommen. Eine Einstellung der Börse kommt für ihn nicht infrage.

Keine Proteste

An der aktuellen Börse in Frauenfeld gab es gemäss Ruf keinerlei Proteste. Auch habe seines Wissens niemand den Tierschutz thematisiert. Im Gegenteil, meint er. Der Anlass sei reibungslos verlaufen, wie auch die Jahre zuvor und die Stimmung sei gut gewesen. «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten», sagt er. Knapp 750 Besucherinnen und Besucher und gut 100 Aussteller wurden erfasst.

Weinfelder Nachrichten vom Donnerstag, 7. November 2019, Seite 8 (18 Views)

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