E-Paper - 07. November 2019
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«Zuhause bin ich hier»

Von Angelina Rabener

Mit seinem Roman «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» hat er es auf die Shortlist der Lieblingsbücher des Deutschschweizer Buchhandels geschafft, bekam den Terra-Nova-Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und den Förderpreis der Stadt Frauenfeld. Inzwischen tourt Usama Al Shahmani als Kulturvermittler und Übersetzer auf Lesereise durchs Land.

Region Wenn Usama Al Shahmani am 11. November in der Aula der PMS in Kreuzlingen sein Buch aufschlägt und zu lesen beginnt, wird es für ihn ein besonderer Moment sein. Vor seinem Erfolg als Schriftsteller war er acht Jahre in einem 50-Prozent-Pensum in der Mensa der Pädagogischen Maturitätsschule angestellt, um den Lebensunterhalt für seine vierköpfige Familie zu verdienen. Nun kehrt er in neuer Rolle an die alte Wirkungsstätte zurück. Durch seine Arbeit dort schloss Al Shahmani Freundschaften mit Dozenten, Lehrkräften und Studenten und unterrichtete ein Jahr als Lehrer für arabische Sprache an der PMS. «Auch an der Pädagogischen Hochschule habe ich zwei Module unterrichtet für Studentinnen und Studenten, die sich für die arabische Sprache interessierten», sagt er und betont: «In diesem Schul-Raum haben sich für mich Türen geöffnet, in dem ich einen Platz gefunden habe, wofür ich dankbar bin.»

Als Schriftsteller angekommen

Dass er mit seinem Buch hier bekannt wurde, bedeutet für ihn, ein grosses Stück seines Ankommens in der Schweiz, in die er vor 17 Jahren als Flüchtling einreiste. «Ich habe mich hier als Schriftsteller etablieren können. Das motiviert mich, weiter zu schreiben.» Im arabischen Raum sei er Schriftsteller gewesen, habe Theaterstücke geschrieben, war Literaturkritiker. «Ich bin dankbar, dass ich mit meinem Buch diesen freien Raum erhalten habe, mich ausdrücken zu dürfen in diesem schwierigen Themenfeld von Flucht und Krieg, von der Heimat und dem Verlust meines Bruders. Und mit Themen, die sich mit der Integration befassen.»

Dass die Menschen sein Buch, dass bereits in der 4. Auflage erschienen ist, liegt seiner Meinung nach weniger an der momentanen politischen Flüchtlingssituation. «Es hat schon immer Flucht und Krieg gegeben. Geschichten und Dramen über Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und zu Flüchtlingen wurden», sagt Al Shahmani. Sein Buch sei ein literarisches Werk, auch wenn es sehr persönlich geschrieben wurde und der Realität entspreche. «Ich glaube, dass den Menschen, in der Dramaturgie der Geschichte, die poetische Sprache und die arabische Atmosphäre gefällt», sagt er. Auch der Zugang zur Natur habe dem Buch etwas Besonderes verliehen.

Schon der Titel des Buches verrät, dass der Schriftsteller einen besonderen Bezug zu Bäumen hat und auch wenn er über das Wandern der Schweizer anfänglich geschmunzelt hat, weil es diese Art des Gehens im Arabischen schlichtweg nicht gibt, sagt er heute: «Ich gehe mittlerweile sehr gerne wandern und spazieren. Vor allem in Frauenfeld an der Murg. Wobei der Thurgau an sich viele wunderschöne Orte zu bieten hat.» Und wo fühlt er sich nach 17 Jahren in der Schweiz zu Hause? «Ich liebe den Irak, weil ich dort meine Wurzeln habe, meine Familie, die ich vermisse. Aber mein Zuhause ist jetzt hier in Frauenfeld, wo ich mit meiner Frau und meinen Kindern lebe.»

Weinfelder Nachrichten vom Donnerstag, 7. November 2019, Seite 28 (19 Views)

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