E-Paper - 13. Juni 2019
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14. Juni 2019: Es geht um Lohn, Zeit und Respekt

Von Angelina Rabener

Unter dem Motto «Wenn Frau will, steht alles still» beteiligten sich am 14. Juni 1991 Hunderttausende Frauen schweizweit an Protest- und Streikaktionen. Anlass war die zögerliche Umsetzung des Verfassungsartikels für die Gleichstellung von Mann und Frau. Kaum zu glauben: Knapp 29 Jahre später geht es in etwa um die gleichen Forderungen.

Region Die Gewerkschaften spürten damals, dass es den Frauen ernst war, und machten sich an die Arbeit. Es fanden sich immer mehr Frauen in gehobenen Anstellungen, Politikerinnen wurden in höher gestellte Ämter gewählt. 1996 trat das Gleichstellungsgesetz in Kraft und acht Jahre später stand erwerbstätigen Frauen eine Mutterschaftsversicherung zu.

Doch noch immer haben Frauen weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten. Verschiedene Organisationen, wie auch die Frauenzentrale Thurgau fordern: «Das muss sich ändern, die Politik soll endlich handeln. Deshalb rufen wir zum Frauenstreik am 14. Juni 2019 auf.» Denn nach wie vor verdienen Frauen deutlich weniger als Männer, je nach Erhebungsmethode zwischen 12 und 20 Prozent. Im Rentenalter haben Frauen im Schnitt ca. 37 Pozent weniger Geld zur Verfügung. Frauen erledigen immer noch zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wie Haushalt, Betreuung und Erziehung der Kinder und reduzieren daher ihre Erwerbsarbeit. Teilzeitarbeit heisst häufig unfreiwillige Flexibilität, prekäre Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne, schlechtere Laufbahnchancen und reduzierte Ansprüche bei den Sozialversicherungen und Renten. «Die Forderungen von damals haben sich in den 29 Jahren nur teilweise erfüllt», sagt Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale Thurgau. Fakt ist: Immer noch hat es viel weniger Frauen in der Politik und in führenden Positionen. Ein gleichberechtigter Vaterschaftsurlaub ist immer noch nicht realisiert und die Löhne zwischen Frauen und Männern nicht gleichgestellt. Vordergründig scheine sich die Gleichberechtigung verbessert zu haben, so Villiger. «In Wahrheit ist es aber meistens doch noch die Frau, die die Mehrbelastung in Haus und Familie trägt. Darum steckt sie bei der Erwerbsarbeit eher zurück und trägt auch die Konsequenzen dieser Entscheidung. Nach längeren Unterbrüchen ist es anspruchsvoll, ins Berufsleben zurückzukehren. Eine tiefere Rente im Alter ist die Folge.» Klar sind darum auch die Äusserungen auf dem Flyer der Frauenzentrale: «Lohngleichheit ist in der Verfassung verankert. Der Kanton Thurgau will sich trotzdem nicht dafür einsetzen, dass sämtliche Arbeitgebende, die von öffentlichen Aufträgen und Subventionen profitieren, Massnahmen treffen, um in ihrem Unternehmen Gleichstellung zu fördern.» Frauen sind aufgerufen für ihre Rechte zu kämpfen, in dem sie am Frauenstreiktag teilnehmen.

Solidarität zeigen

Für alle, die nicht streiken dürfen oder können, sich aber doch solidarisch zeigen möchten, gibt es am Freitag um 12 Uhr einen Zmittag auf dem Weinfelder Marktplatz bei der Linde. In Kreuzlingen laden die CVP- und Landfrauen Sandra Stalder und Karin König-Ess zum Zmittag auf die Piazza Cisternino ein. Stadt- und Kantonsrat Ernst Zülle kocht. Geschirr und Besteck sind mitzubringen. Kinder und Männer sind am Frauenstreiktag willkommen.

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 13. Juni 2019, Seite 3 (11 Views)

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