E-Paper - 06. Juni 2019
Kreuzlinger Nachrichten
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Wer hat Recht?

Sohn brach Lehre ab muss ich ihn weiter unterstützen?

Ich war nicht verheiratet, leiste aber Unterhaltszahlungen für meinen Sohn. Laut Vertrag mit meiner Ex-Partnerin sind diese geschuldet bis zur Mündigkeit und allenfalls darüber hinaus, bis die Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann. Nun ist mein Sohn 18 geworden. Vor über einem Jahr hat er die Lehre abgebrochen und bis jetzt keine neue Lehrstelle gefunden. Er zeigt sich daran auch nicht sehr interessiert und nimmt leider Drogen. Kann ich unter diesen Umständen die Unterhaltszahlungen kürzen oder ganz einstellen?

Antwort: Ja. Da Ihr Sohn seit über einem Jahr ohne Lehrstelle ist und auch nicht wirklich eine sucht, können Sie sich auf den Standpunkt stellen, er sei nicht mehr in Ausbildung. Eine Kürzung oder Streichung der Alimente wäre auch abgedeckt durch Artikel 277 des Zivilgesetzbuches, wo es heisst, dass Eltern für ihre mündigen Kinder nur so weit zahlen müssen, als es ihnen nach den Umständen zugemutet werden darf. Das ist sicher der Fall, wenn das Kind die Ausbildung ernsthaft und zielstrebig vorantreibt. Und auch kürzere Krisenphasen müssen Eltern mit dem Kind durchstehen und es weiter unterstützen Mehr als ein Jahr nach dem Lehrabbruch sind weitere Zahlungen für Sie aber meines Erachtens nicht mehr zumutbar. Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie mit Ihrem Sohn über Ihre Kürzungsabsichten sprechen. Vielleicht erkennt er dann den Ernst der Lage. Sinnvoll wäre wohl auch, einen Berufsberater beizuziehen.

Anspruch auf Freizeit für Pflege der kranken Mutter?

Unsere betagte Mutter ist schwer krank, und ihr grösster Wunsch ist es, zu Hause zu sterben. Meine beiden Schwestern und ich möchten ihr den Wunsch gern erfüllen. Da alle drei berufstätig sind, gestaltet sich dies jedoch schwierig. Mein Vorgesetzter hat durchblicken lassen, dass er eventuell mit einem unbezahlten Urlaub einverstanden wäre. Ist das die einzige Unterstützung, die man vom Arbeitgeber erwarten darf?

Antwort: Nicht ganz. Das Arbeitsgesetz schreibt vor, dass Betriebe beim Festlegen der Arbeits- und Ruhezeiten auf Angestellte mit Familienpflichten besonders Rücksicht nehmen müssen. Gemeint sind Mitarbeitende mit Kindern unter 15 Jahren und solche mit pflegebedürftigen Angehörigen. Sie haben Anrecht auf geordnete Zeitstrukturen, die ihnen eine regelmässige Betreuung des Kindes respektive des Angehörigen ermöglichen. Zudem können sie eine Mittagspause von mindestens eineinhalb Stunden verlangen und dürfen nicht zu Überzeitarbeit gezwungen werden.

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 6. Juni 2019, Seite 22 (46 Views)

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