E-Paper - 06. Juni 2019
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Rehkitzaktion gegen qualvollen Tod im Feld

Von Angelina Rabener

Schweizweit sterben jährlich rund 1500 Rehkitze einen schmerzvollen Tod durch Mähmaschinen. Allein im Thurgau waren es im letzten Jahr 120 Tiere, die einen qualvollen Tod im Feld starben. Durch den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras und organisierten Suchaktionen durch Jäger, Bauern oder Tierschützer, konnten bis jetzt 21 Tiere gerettet werden.

Region Ende April bis Mitte Juni bekommen Rehgeissen ihre Jungen. In den ersten zwei bis drei Lebenswochen sind die Rehkitze noch zu schwach und zu langsam, um mit ihren Müttern mitlaufen zu können. Im hohen Gras suchen die Kleinen deswegen Schutz und verstecken sich. Instinktiv laufen sie bei einer Gefahr nicht davon, sondern ducken sich. Ein Grund, warum sie immer wieder Opfer von landwirtschaftlichen Mähern werden. Im dichten Feld sehen die Bauern die gerade mal 40 cm grossen Kitze nicht. Es kommt zur Tragödie: Der Mähmaschine überfährt die Rehkitze, die schwer verletzt noch lange leiden, bis sie sterben oder von einem Jagdaufseher erlöst werden.

65 Helferinnen und Helfer kamen

An den ersten sonnigen Frühlingstagen vergangene Woche stand auf vielen landwirtschaftlichen Flächen im Thurgau der erste Schnitt an. Bevor die Bauern jedoch mit Mähmaschinen auf ihre Felder fuhren, hat Hansruedi Gubler von der Jagdgesellschaft Berg reagiert. «Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Tierschutzverein auf Facebook einen Aufruf gestartet, dass wir dringend Leute suchen, die uns helfen die Rehkitze im Feld aufzustöbern, bevor die Bauern die Wiesen mähen», berichtet der Jagdaufseher. Und so trafen sich am Auffahrtsdonnerstag 65 Helferinnen und Helfer, Jäger und deren Familien am Treffpunkt beim Restaurant Frohheim in Berg, um insgesamt zwölf Felder nach Rehkitzen abzusuchen. «Die Helfer gehen dabei nebeneinander in einer Reihe durchs Feld, damit kein Rehkitz übersehen werden kann», erklärt Gubler die Rettungsaktion. Zum ersten Mal wurden am Freitag dann auch mittels Drohne und Wärmebildkamera weitere Wiesen abgesucht. Hansruedi Gubler erklärt, dass Rehkitze, die nahe dem Feld unter Bäumen liegen, durch das Blattwerk von der Drohne nicht immer erkannt werden. Darum ist das Absuchen durch den Menschen immer noch eine effektive Methode. «Immerhin konnten bis jetzt 21 Rehkitze gerettet und aus den Wiesen in den Wald getragen werden, wo sie nach der Muttergeiss rufen und gefunden werden», berichtet er. Leider seien aber doch zwei Kitze, trotz Absuchen nicht gefunden und vermäht worden. «Diese Aktion zeigt, dass Tierschützer, Bauern und Jäger gut zusammenarbeiten können. Wir alle betreiben einen grossen Aufwand, um die Rehkitze zu retten», so Gubler.

Die Kehrseite der Medaille

Für Reinhold Zepf, Präsident vom Thurgauer Tierschutzverein hat die Rehkitzrettungsaktion jedoch auch eine Kehrseite, die ihm widersprüchlich erscheint. Zepf sagt: «Wir Tierschützer unterstützen die Rehkitzaktion in der Hoffnung, dass die Tiere nicht den Mähmaschinen zum Opfer fallen und jämmerlich leiden müssen. Darum haben wir auch den Aufruf auf Facebook gestartet, um Helfer zu mobilisieren. Ausserdem haben wir einen finanziellen Beitrag für die Software der Wärmebildkamera beigesteuert.» Fakt sei jedoch, dass diese geretteten Kitze ein paar Monate später von den Jägern abgeschossen werden dürfen. Er plädiert dafür, dass die Schonzeit dieser jungen Rehe verlängert wird. Jagdaufseher Hansruedi Gubler erklärt diesbezüglich, dass vom Rehwildabgang (Unfall und Abschuss) nur etwa 25 Prozent der jüngeren Tiere betroffen seien. «75 Prozent der Rehkitze erreichen das Erwachsenenalter und haben so die Chance, länger zu leben.» Die Schonzeit sei vom Gesetz so geregelt, sagt der Jäger. «Um einen gesunden Bestand zu haben, muss die Altersstruktur ausgeglichen sein.»

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 6. Juni 2019, Seite 22 (37 Views)

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