E-Paper - 06. Juni 2019
Kreuzlinger Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Ortanciolgu: «Als Trainer darf man heutzutage nicht langfristig planen»

Interview: Nico Wrzeszcz

Der FC Kreuzlingen stand kurz vor dem Aufstieg, nun ist er aus eigener Kraft nicht mehr zu erreichen. Das von Trainer Kürsat Ortancioglu und Präsident Daniel Geisselhardt ausgesprochene Saisonziel wurde dennoch erreicht.

Fussball Den Aufstieg verpasst, dennoch zufrieden und glücklich über die Entwicklungen im Verein. Kürsat Ortancioglu und Daniel Geisselhardt geben Einblicke über die Zukunft des FC Kreuzlingen.

Herr Geisselhardt, Sie sind seit 2008 Präsident im Verein. Wenn Sie jetzt auf Ihre Amtszeit zurückblicken, was war Ihr grösster Erfolg?

Der grösste Erfolg ist, dass wir den Verein am Leben erhalten konnten. In der Schweiz ist es nicht lecht, einen ambitionierten Amateurverein am Leben zu erhalten und genügend Leute zu haben, die sich organisieren. Als ich Präsident wurde, hatte der Verein sehr grosse Schulden. Diesbezüglich haben wir einen grossen Fortschritt gemacht. Die finanzielle Lage des Vereins ist trotzdem immer wieder eine Herausforderung.

Ihre Mannschaft steht momentan auf Platz 2 in der Tabelle. Sind Sie vor Saisonbeginn davon ausgegangen, so weit oben in der Tabelle zu stehen?

Das Saisonziel war natürlich ganz klar, dass wir vorne mitspielen. Ich bin zufrieden, wenn wir es schaffen, uns in der Top 3 zu etablieren. Aber die Spieler haben da natürlich mehr Ehrgeiz.

Ortancioglu: Seit dem Sommer haben wir einen grossen Umbruch erlebt. Ich habe 15 neue Spieler dazu geholt, da muss man immer zuerst schauen, wie man sich findet. Es war harte Arbeit und wir haben uns Woche für Woche weiterentwickelt. Klar war der Aufstieg oberste Priorität. Das war nicht immer einfach. Auch mein persönliches Ziel war es, unter die Top 3 zu gelangen.

Sie haben von 15 neuen Spielern gesprochen. Haben Sie beim Thema Transfer als Trainer Mitspracherecht?

Ortancioglu: Da ich auch der sportliche Leiter bin, entscheide ich. (lacht)

Herr Geisselhardt, demnach haben Sie als Präsident das letzte Wort?

Was das Finanzielle anbelangt bestimmt, aber betreffend sportlicher Seite bin ich zu weit weg, um mitreden zu können. Ich möchte natürlich gerne eine Basis aus regionalen Spielern, die von Auswärtigen ergänzt werden können. Kürsat bringt da natürlich auch ein grösseres Einzugsgebiet mit und so haben wir ganz grossartige deutsche Spieler in der Mannschaft.

Herr Ortancioglu, im Sommer haben Sie drei Spieler vom FC Singen geholt. Hat dies damit zu tun, dass Sie selbst dort gespielt haben und Trainer waren?

Nein. Wenn wir schon Spieler von der deutschen Seite holen, wollen wir die Besten. Wo diese gespielt haben, ist in dem Moment nicht wichtig.

Wie läuft es allgemein mit der Suche nach neuen Spielern ab?

Auf der einen Seite kennt man sich aus, da man schon länger im Fussballgeschäft ist und weiss, wo wer spielt. Andererseits informiert man sich genauer und geht Spiele anschauen, das ist so.

In jedem Verein ist auch die Jugendarbeit von grosser Bedeutung. Wie wollen Sie in diese investieren, Herr Geisselhardt?

Wir verzichten auf die A-Junioren und möchten die B-Junioren direkt in den Aktivbereich integrieren, da die A-Junioren-Mannschaft oft durch Studium oder Militär auseinanderfällt. In den unteren Jugendbereichen kommt jedoch noch einiges an Arbeit auf uns zu. Mit Roger Keller, Paul Nay und Patrik Wehrli haben wir ein gutes Team, um uns auch dort in den kommenden Monaten auf ein besseres Niveau bringen zu können.

Mit welchen Massnahmen wollen und können Sie den Jugendbereich noch verbessern?

Mit guten und auch jüngeren Trainern, die die Kinder begeistern können. Da haben wir zwar eine gute Basis, können uns aber auch noch verbessern, indem wir unsere Trainer vermehrt in Ausbildungen schicken.

Die Ausbildungen sind aber verbunden mit Kosten.

Ja das stimmt, die Ausbildung zahlen wir als Verein. Wir drehen zwar jeden Franken zweimal um, aber da sparen wir nicht. Wenn jemand bereit ist, eine Ausbildung zu machen, haben wir noch nie Nein gesagt.

Herr Ortancioglu, Sie haben noch einen Vertrag bis 2020. Können Sie sich vorstellen länger zu bleiben?

Auf jeden Fall, aber als Trainer darf man heutzutage nicht langfristig planen. Solange es läuft, ist es gut, läuft es mal nicht, wird man schnell in Frage gestellt. Wenn Sie mich heute fragen, möchte ich noch einige Jahre hier arbeiten. Es macht sehr viel Spass mit den Vorstandsmitgliedern und die Unterstützung ist vorhanden. Was will man als junger Trainer mehr?

Geisselhardt: Wir haben bewiesen, dass wir nicht gleich nervös werden, wenn es mal nicht läuft. Wir hatten auch in der letzten Saison eine Phase, in der wir einige Spiele hintereinander verloren haben. Diese waren aber klar begründet und wir haben gesehen, dass Trainer und Mannschaft hervorragend zusammenarbeiten. Da kam kein Mensch auf die Idee, einen Trainerwechsel durchzuführen. Wenn ich es mir wünschen könnte, dann sollte man für zehn bis 20 Jahre miteinander arbeiten. Auch wenn ich dann nicht mehr Präsident bin.

Kreuzlinger Nachrichten vom Donnerstag, 6. Juni 2019, Seite 13 (38 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Juni   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30