E-Paper - 31. Mai 2019
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Ein bedeutungsvolles Projekt

Von Angelina Rabener

Zur Lösung akuter Verkehrsprobleme im Thurgau ist eine neue Entlastungstrasse durch den Oberthurgau und das Thurtal geplant. Der Nationalrat hat das Projekt «Bodensee-Thurtalstrasse» in den Ausbauschritt 2019 für die Nationalstrasse aufgenommen. Am 6. Juni 2019 entscheidet der Ständerat über die BTS und OLS.

Region Die Thurgauer Stimmbürger haben bereits 2012 einer Erweiterung des kantonalen Strassennetzes der Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) und Oberlandstrasse (OLS) zugestimmt. «Wenn die Bevölkerung bis 2035 um 23 Prozent auf 329 000 Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen wird, ist die Frage nicht, ob es zum Verkehrskollaps kommt, sondern wann. Die Zeit drängt», sagt Dr. Beat Hirt, IHK-Vizepräsident am Dienstag vor den Medien. Wer regelmässig auf unseren Strassen unterwegs sei, wisse, dass es immer mehr Zeit brauche, das Ziel pünktlich zu erreichen. Hirt ist der Meinung, dass man, bei einer geschätzten Bauzeit der BTS von 14 Jahren, schon längst mit dem Bau hätte beginnen müssen. Darum hat die IHK für dieses Projekt eine unabhängige Studie der Ecoplan AG in Bern in Auftrag gegeben.

Gemeindeoberhäupter interviewt

Laut René Neuenschwander, Bereichsleiter Verkehr der Ecoplan AG bestätigt das Ergebnis der Studie die Befürchtungen des IHK-Vizepräsidenten. Sie unterstreicht die regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bodensee Thurtalstrasse.

«Die volkswirtschaftliche Gesamtbewertung der BTS und OLS erfolgte bisher mit der vom Bundesamt für Strassen vorgegebenen Methodik NISTRA», erklärt er das gängige Planungssystem, welches ein Projekt anhand 38 Indikatoren aus den Bereichen Kosten, Verkehrsqualität, Sicherheit, Siedlungsentwicklung, Umwelt usw. bewertet. «Hierbei wird aber nicht vertieft auf die regionalwirtschaftlichen Effekte eines Strassenprojekts eingegangen», erklärt er, was bei einem solchen Projekt jedoch wichtig sei. Für das Ergebnis seiner Studie wurden Umfragen bei lokalen Unternehmen zu den Auswirkungen der BTS/OLS auf die Attraktivität der Region als Wirtschaftsstandort durchgeführt. Zudem wurden Interviews mit zwölf Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten entlang der BTS/OLS geführt. Befragt wurden unter anderem Gemeindeoberhäupter aus Kreuzlingen, Weinfelden, Frauenfeld, Wigoltingen, Amriswil oder Arbon, die sich zu den kommunalen Auswirkungen der BTS/OLS im Bereich der Lebens- und Wohnqualität äusserten. Das Fazit: Durch die BTS/OLS erwarten die Befragten eine bessere Anbindung, Vernetzung und Erschliessung an das überregionale und schweizerische Strassennetz und damit eine höhere Standortattraktivität des Kantons, aber auch einzelner Regionen. Ausschlaggebend sind eine bessere Erreichbarkeit für Arbeitnehmende und Kundschaft sowie eine bessere Erschliessung der Absatzmärkte. Im Fokus stehen dabei eine kürzere Reisezeit und fliessender Verkehr, besonders für Fahrten vom Oberthurgau nach Westen. Genau so wichtig sind für die Befragten aber auch eine bessere Wohn- und Lebensqualität durch die Entflechtung von Durchgangs- und Ortsverkehr.

Kein Flickwerk

Das Ergebnis der Studie zeige, so Neuenschwander, dass durch eine BTS/OLS der Fuss- und Veloverkehr attraktiver würde, Lärm- und Luftbelastungen sowie Unfallrisiken minimiert und die Verdichtung in Siedlungsräumen vereinfacht würden. «Ein Grossteil der Befragten wünscht sich eine zukunftsorientierte Gesamtlösung, statt einem Flickwerk aus örtlichen Insellösungen, damit eine langfristige Funktionstüchtigkeit des Strassensystems sichergestellt wird.

Kultur- und Landschaftsverlust

Doch es wurden auch kritische Meinungen seitens der befragten Gemeindepräsidenten und Unternehmern zu dem Projekt geäussert. Denn der Verlust an Kulturland ist unbestritten. Es wird ausserdem befürchtet, so Neuenschwander, dass die BTS/OLS zu einer Verlagerung vom öffentlichen auf den privaten Strassenverkehr führe und so Neuverkehr erzeuge.

Häberli hofft auf Support

«Die politische Arbeit wird nun darin bestehen, den Ständerat mit diesen klaren und stichhaltigen Argumenten am 6. Juni in möglichst kurzer Zeit zu überzeugen», so die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli. Sie hoffe, für die BTS viel Unterstützung gewinnen zu können, die ja im Nationalrat eine klare Mehrheit gefunden habe.

Untersee Nachrichten vom Freitag, 31. Mai 2019, Seite 1 (8 Views)

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