E-Paper - 02. Mai 2019
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Ist die medizinische Grundversorgung in Gefahr?

Von Angelina Rabener

Weil der Bundesrat Abbaumassnahmen im Gesundheitswesen plant, wehrt sich die Apothekerschaft mit einer Petition gegen die Sparmassnahmen und ist der Meinung: «Mit dem Abbau trifft man die verletzlichste Patientengruppe; chronisch Kranke sowie akut erkrankte Menschen.»

Frauenfeld Mit der Petition «Auch morgen medizinisch gut umsorgt» möchten Apothekerinnen und Apotheker den Bundesrat an seine Verpflichtung erinnern: «Nämlich für eine medizinische Grundversorgung zu sorgen, die einfach zugänglich und von hoher Qualität ist und auf dem Miteinander von Apothekern, Hausärzten und Pflege beruht.» Knapp 56000 Unterschriften wurden bisher online und in den Apotheken schweizweit für die Petition gesammelt. Auf www.gut-umsorgt.ch ist zu lesen, dass sich der Verband pharmaSuisse vor allem an der geplanten Reduktion des Vertriebsanteils stört. Den Betrag, den Apotheken, Ärzte und Spitäler für ihre logistischen Leistungen erhalten. Mit den Kürzungen will der Bundesrat jährlich 50 Millionen Franken in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sparen.

Ständiger Kostendruck

Unterschriften für die Petition sammeln auch die Mitarbeiterinnen der Rathaus Apotheke in Frauenfeld. Auf Anfrage bei Apothekerin Claudia Held, was mit den Apotheken passiert, wenn der Vertriebsanteil gekürzt wird, meint sie: «Wenn die wirtschaftliche Basis der Apotheken weiter unter Druck gerät, ist ein Überleben schlicht nicht mehr möglich. Grundsätzlich muss man sich dessen bewusst sein, dass sich die Apotheken in der Schweiz in einem wirtschaftlichen Umfeld bewegen, das schwieriger ist als wohl gemeinhin angenommen wird. Als Erstinstanz beraten wir die Patienten bei minder ernsthaften Erkrankungen über die mögliche Medikation und Therapie und verweisen bei Bedarf an den behandelnden Arzt. Die persönliche Beratung und der Medikationscheck sind je nach Situation recht aufwändig.» Auf der anderen Seite wiederum bestehe ein ständiger Kostendruck im Gesundheitswesen, erklärt sie. «An einem Medikament, das auf der Rechnung beispielsweise mit 15'000 Franken erscheint, verdienen wir 127.50 Franken. Die 15 000 Franken jedoch finanzieren wir für unsere Patienten und die Kassen vor. Aus dieser schwierigen Situation heraus müssen wir Personalkosten, Mieten, etc. finanzieren. Ist nun der Bund gewillt, die oben erwähnten Vertriebsanteile weiter unter Druck zu setzen, ist dies für uns existenzbedrohend.» Gefragt, ob durch die geplante Abbaumassnahme eine wohnortnahe Beratung der regionalen Apotheken gegenüber den Kunden abnehmen würde, antwortet die Apothekerin ganz klar: «Ja. Solche Apotheken sind durchaus vom Risiko einer Schliessung betroffen, was wiederum eklatante Nachteile für Patienten in ländlicheren Regionen mit sich bringt.»

«Dies birgt grosse Risiken»

Die vom Bund, ausser den Kürzungen, geplante Einführung eines Referenzpreissystems für patentabgelaufene Generika soll zudem Anreize schaffen, dass der Patient das günstigste verfügbare Medikament wählt. Doch auch hier sieht Claudia Held grosse Probleme: «Das billigste Generikum bedeutet immer ein Risiko in der Qualität. Dieses ist zum einen in der Tatsache zu verorten, dass möglicherweise nur noch Medikamente eines Herstellers in Indien zugänglich sind, weil die Produktion dort am billigsten ist. Dass ein Wirkstoff in einer bestimmten Konzentration vorhanden ist, sagt noch nichts über die Qualität des Wirkstoffes und die Qualität der galenischen Darreichungsform aus. Dies birgt grosse Risiken.» Dazu komme, dass die optimale Medikation eines Patienten hinsichtlich Verträglichkeit und Einstellung oft komplexer Natur sei. «Eine optimale Grundversorgung bedeutet hier: Optimale Einstellung und optimale Verträglichkeit. Und nicht: Die billigst-mögliche Variante. Das ist eine Frage, welche die Sicherheit und die Lebensqualität unserer Patienten betrifft. Und diese Faktoren liegen uns ebenso sehr am Herzen wie unser eigenes Überleben», so die Apothekerin.

Frauenfelder Nachrichten vom Donnerstag, 2. Mai 2019, Seite 1 (19 Views)

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