E-Paper - 14. März 2019
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Daheimgebliebene machen Kunst in altem Gefängnis

Von Janine Sennhauser

Während ein Grossteil der Sekundarschüler von Müllheim im Skilager verweilt, erarbeiten die Daheimgebliebenen ein musikalisches Kunstprojekt. Sowohl die Idee, als auch die Location ist besonders.

Müllheim Rund siebzig Schülerinnen und Schüler können, wollen oder dürfen nicht am diesjährigen Skilager der Sekundarschule teilnehmen. Doch die Jugendlichen werden nicht zum Extraunterricht verdonnert. Sie dürfen zusammen mit acht Musikerinnen und Musikern ein Kunstprojekt erarbeiten. «Wir wollten auch denjenigen, die nicht mitkonnten, etwas bieten», erklärt der Schulleiter Walter Strasser.

Experimentierfreudig

«Music of Cages», nennt sich die Klanginstallation, die die Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Kunstschaffenden auf die Beine stellen werden. Das Projekt basiert auf dem Lebenswerk des Komponisten John Cage. Der Amerikaner gilt als Pionier der elektroakustischen Musik und ist bekannt für seine Experimentierfreude. Obwohl Cage von der Kritik als einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gelobt wird, eckte er mit seinen besonderen Kompositionen an. Genau deswegen entschied sich die Schule Müllheim, seine Werke zu inszenieren. Besonders wichtig für den Schulleiter: «Die Schülerinnen und Schüler sind ein Teil des Experiments.»

Schüler werden Komponisten

Am Kunstprojekt beteiligt ist neben der Sekundarschule auch das Künstler-Kollektiv «ox&öl». Dieses besteht aus Simone Keller und Philip Bartels. Die Beiden haben das Konzept entwickelt und die sechs beteiligten Künstlerinnen und Künstler zusammengetrommelt. «Wir machen keine pädagogische Kunstvermittlung. Uns geht es eher darum, die Strukturen des normalen Schulalltages zu durchbrechen», erklärt Simone Keller. Die im Thurgau geborene Pianistin ist lauteigener Aussage sowohl dem Schulleiter als auch den zehn beteiligten Lehrpersonen für ihre Offenheit dankbar. «Ohne die Flexibilität Aller könnte dieses grandiose und einmalige Experiment niemals stattfinden», gibt ihr der Regisseur und Theatermusiker Philip Bartels recht. In mehreren Kleingruppen werden unter Anleitung von Profi-Musikerinnen und -Musikern verschiedene Klangskulpturen entstehen. «Wir wollen die Schülerinnen und Schüler dazu anstiften, selber zu Komponisten zu werden», so Bartels.

Musik im alten Gefängnis

Anfangs war gemäss dem Schulleiter Walter Strasser geplant, das Sekundarschulhaus mit der Klanginstallation zu bespielen. Doch diese Location war gemäss Strasser «nicht ungewöhnlich genug». Dass er im Stiftungsrat der Komturei Tobel sitzt, kam den Künstlerinnen und Künstlern gerade recht. Strasser zog einige Fäden und sorgte dafür, dass die öffentlich begehbare Klanginstallation im ehemaligen Gefängnis aufgebaut werden kann. Im Rahmen des Projektes sollen alle Räume des alten Gebäudes bespielt werden. Der Lichtkünstler Markus Brunn wird das Areal zusätzlich zum Leuchten bringen. An der öffentlichen Begehung wird das Projekt seinen Höhepunkt finden. Diese findet morgen Freitag von 18 bis 21 Uhr und am Samstag, 16. März von 16 bis 19 Uhr statt. Location ist die Komturei Tobel. Infos gibt es unter: www.sek-muellheim.ch.

Untersee Nachrichten vom Donnerstag, 14. März 2019, Seite 8 (47 Views)

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