E-Paper - 10. Januar 2019
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Erfahrungen sammeln in der Arbeitswelt

Das Jugendprojekt LIFT wurde 2006 lanciert und wird vom gemeinnützigen Verein LIFT in Bern schweizweit koordiniert. Es hat auch im Thurgau seit vielen Jahren seinen festen Platz.

Region «Schon frühzeitig in der 7. Klasse erfasste LIFT individuell jene Jugendliche, welche aufgrund ihrer schulischen und sozialen Situation überdurchschnittlich Mühe haben könnten», erklärt der Aadorfer Peter Gall, Regionalkoordinator LIFT Ostschweiz. Für ihn ist es prioritär, nach der obligatorischen Schulzeit eine gute Anschlusslösung zu finden. Gemäss Gall sammeln die Jugendlichen von Mitte 7. bis in die 9. Klasse durch praktische Tätigkeiten an ihren Wochenarbeitsplätzen erste Erfahrungen in der Arbeitswelt und lernen die Anforderungen der Berufswelt kennen. Dabei werden sie an ihrer Schule systematisch in Modulkursen auf die Arbeitseinsätze vorbereitet und dabei begleitet.

300 Schüler aus dem Thurgau

«Seit bald 13 Jahren nimmt eine stetig wachsende Anzahl Schulen in der ganzen Schweiz an diesem Projekt teil», sagt Gall. Mittlerweile sind schweizweit über 250 Schulgemeinden bei LIFT dabei. Die ständige Evaluation zeigt, dass durchschnittlich gegen 60 Prozent der LIFT-Jugendlichen direkt nach der 9. Klasse in eine EFZ- oder EBA-Lehre übertreten. Auch im Kanton Thurgau ist das Projekt fest verankert. Aktuell nehmen in 22 Thurgauer Schulen gegen 300 Schülerinnen und Schüler am Programm teil. Das LIFT-Programm ist laut den Erfahrungen des Regionalkoordinators im Kanton Thurgau überdurchschnittlich erfolgreich. «Im Abschlussjahr 2016 traten 33.3 Prozent der Thurgauer LIFT-Teilnehmenden in eine EFZ-Lehre über und 50 Prozent in eine EBA-Ausbildung ein», bilanziert Gall. Das bedeutet eine Erfolgsquote von 83.3 Prozent. Je 8.3 Prozent starteten nach der Schule in einem Brückenangebot oder einem Praktikum. «LIFT ist im Thurgau nicht nur überdurchschnittlich erfolgreich, sondern auch kostensparend», freut sich der Aadorfer.

Positiv für Berufswahl

Laut Gall wurde das konkrete Projektgeschehen in den lokalen Standorten anlässlich einer Befragung analysiert und für den Thurgau separat ausgewiesen. Die Mehrheit der Befragten geht von einem positiven Effekt von LIFT auf die anstehende Berufswahl der LIFT-Jugendlichen aus. Ebenso stellt die überwältigende Mehrheit der Befragten dem Projekt vor Ort ein positives Gesamtzeugnis aus. Über 90% geben LIFT eine gute oder sogar sehr gute Gesamtbewertung. Insgesamt fällt auch die Einschätzung zum Verhältnis von Aufwand und Ertrag positiv aus. Gemäss Galls Erfahrungen und Berechnungen besteht im Thurgau noch ein Potential von gegen 10 weiteren Schulen, in denen das LIFT-Programm nutzbringend eingesetzt werden könnte. Erfreulicherweise haben davon bereits weitere vier Oberstufen Interesse für eine Einführung angemeldet.

Verlängerung abgelehnt

Wie Gall festhält, hat das Amt für Volksschule Thurgau das Jugendprojekt LIFT - verbunden mit einem Leistungsauftrag vom 16. Dezember 2015 - für die Jahre 2015 und 2016 mit einem Beitrag unterstützt. Die Geschäftsstelle LIFT und das LIFT-Team Ostschweiz hat diesen Auftrag in den Schuljahren 2015/16 und 2016/17 auch erfolgreich umgesetzt. «Leider wurde der Antrag für eine Verlängerung um drei weitere Jahre durch die verantwortlichen Stellen im Sommer 2018 abgelehnt», bedauert er. Trotz dieses negativen Entscheids freut sich Gall über die positive Entwicklung des Projekts und über das grosse Interesse der Thurgauer Schulen und bei den KMU im ganzen Kanton. Er lobt die engagierte Zusammenarbeit und die grossartige Unterstützung. »Ich hoffe auch, dass die Verantwortlichen im Amt für Volksschule ihren negativen Entscheid nochmals überdenken, damit LIFT im Thurgau auch weiterhin bestehen kann», sagt Gall. wn

Frauenfelder Nachrichten vom Donnerstag, 10. Januar 2019, Seite 28 (10 Views)

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